Das Prager Ghetto im 16. Jahrhundert. Als Rabbi Löw in den Sternen liest, dass der jüdischen Gemeinschaft Unheil droht, schafft er nach einer alten Legende eine mächtige Lehmfigur, den Golem, und haucht ihr mit magischen Kräften Leben ein. Der Golem rettet das Leben des Kaisers, und dieser widerruft seinen Befehl, die Juden aus der Stadt zu weisen. Damit hat der Golem eigentlich seinen Zweck erfüllt, aber als Löws Assistent ihn benutzt, um einen Rivalen zu bekämpfen, läuft der Golem Amok und setzt die Stadt in Flammen. Besiegt wird er erst durch ein kleines Mädchen, das ihm den Stern von der Brust löst, mit dem Löw ihm das Leben gab. Für die Musikfassung der restaurierten Fassung haben wir uns für den polnischen Künstler und Musikproduzenten Lukasz Poleszak entschieden. Der polnische Künstler, Musikproduzent und Klubveranstalter Lukasz Poleszak hat in den letzten Jahren einen eigenwilligen Stil geschaffen, den er selbst als „trippintronic“ bezeichnet – eine Mischung aus Surrealismus, Mystizismus und Psychodelika. Ebenso lässt sein Stil Einfl üsse aus der Rave-Kultur, Cyberpunk und der Computerszene der 1980er- und 1990er-Jahre erkennen. Wudecs düsterer Grundton ist auch seinem Soundtrack zu DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM zu eigen. Der Mix aus psychodelischer Musik, Gothic-ähnlicher Ästhetik, technoiden Beats und atmosphärischen Klängen fügt sich in die okkulte Thematik des Golem-Stoffs. Mit diesen elektronisch erzeugten Sounds spannt der Künstler längere musikalische Bogen, die er abgesehen von den diegetischen Klängen weitgehend nicht an das dramatische Filmgeschehen im Detail bindet.
Höhepunkte des Films werden eher beiläufig durch dynamische Veränderungen und klangfarbliche Elemente der Musik gemustert, wie etwa auch ein choralähnlicher Gesang während einer Predigt kurz anklingt. Insgesamt sind der Charakter und Spannungsverlauf der Musik durch markante Szenenwechsel und Einblendung der Zwischentitel thematisch strukturiert. Mit diesem Soundtrack ist durchaus eine musikalische Konzeption intendiert, die auch unabhängig vom Film funktioniert. Dementsprechend wurde sie als Album mit dem Titel „Demortis“ (2016) veröffentlicht, das die Filmmusik in bearbeiteter Form als einzelne Musiktitel zum Hören bereitstellt.
Direction:Carl Boese, Paul Wegener
Cast:Paul Wegener·Albert Steinrück·Lyda Salmonova·Ernst Deutsch·Hans Stürm